St. Mauritius Kirche von Herrmannsacker

Hermannsacker, ein Dorf mit knapp 400 Einwohnern, 10 km nordöstlich von Nordhausen gelegen, hatte noch bis vor wenigen Jahren keinen nutzbaren Kirchenraum. Die Kirchengemeinde hatte nur einen notdürftigen Raum im Pfarrhaus für Gottesdienste und Gemeindearbeit. In einer Broschüre über den Landkreis Nordhausen vom Oktober 1997 war noch zu lesen: "Im Ort Herrmannsacker verfällt die 1708 erbaute Kirche St. Moritz. Kirchengemeinde und Gemeinde sehen keine Möglichkeit des Erhalts."

Dieser Zustand sollte sicher aber sehr bald ändern. Im Mai 1999 wurde in Absprache mit der Kirchengemeinde Herrmannsacker ein Kirchenbauverein gegründet, der sich für die Rettung und Sanierung der einsturzgefährdeten Kirche verwenden sollte. Es wurden die erforderlichen Genehmigungen eingeholt. Bei der Schadensaufnahme am Bauwerk zeigte sich, dass durch die Bewitterung vom offenen Dach her und durch die Fensteröffnungen die innere Emporenkonstruktion, die auch die Stützfunktion der Dachkonstruktion mit Tonnengewölbe hatte, durch Fäulnis und Schwammbefall so stark geschädigt war, dass sie keine statischen Funktionen mehr hatte. Um alle noch vorhandenen Bauteile bis zur Sanierung zu erhalten, wurde im Jahr 200 ein Stützgerüst im Kirchenschiff und Chor erstellt, um die umlaufende Emporenkonstruktion und den Rest der Dachkonstruktion im Originalzustand zu sichern. Gleichzeitig diente das hölzerne Stützgerüst mit einem Treppenaufgang und einer oberen Dielenabdeckung als Arbeitsgerüst für die Zimmerarbeiten. Unter einem Notdach konnte jetzt schritt für Schritt die Dachkonstruktion erneuert, bzw. gesund geschnitten und saniert werden. Mit dem Stützgerüst war es auch möglich jeden Umfang der Bauarbeiten in Abschnitten je nach finanzieller Möglichkeiten abzuarbeiten. Zur gleiche Zeit wurde das Aussenmauerwerk des Chorraumes, das durch senkrechte Mauerwerksrisse stark geschädigt war, mit Ringankern und Vernadelungen statisch saniert. Am Westgiebel mit Kircheneingang wurde das stark zerklüftete Mauerwerk, mit den Resten eines 1934 wegen Einsturzgefahr abgebrochen Kirchenturm, ausgezwickelt und verfugt. 2004 wurde schließlich das dachneu eingedeckt und mit einer Blitzschutzanlage und Dachentwässerung versehen. Die gezielte Ableitung der Dachentwässerung und ein hangseitiger Drainagegraben, der in Eigenleistung durch den Kirchenbauverein erstellt wurde, begünstigt die Trockenlegung des noch stark mit Salzen belasteten Sockelmauerwerks. Die Befallzone mit Salzen im Aussenmauerwerk ist bis auf 4,00 m angesteigen und hat damit auch die Sandsteingewande der Fenster zerstört.

Bemerkenswert ist, dass die Kirche von Herrmannsacker seit dem "Tag des Offenen Denkmals im Jahr 2001 wieder als Gottesdienstraum für besondere Anlässe und Feiern genutzt wird. Das sichere Stützgerüst, das den Innenraum des Kirchenschiffes von einer Emporenseite zur anderen überspannt, bietet jetzt schon genügend Platz für Gottesdienste und Veranstaltungen. Die Gemeinde erlebt auf diese Weise die schrittweise Sanierung und fühlt sich so auch eingebunden in die fortschreitende Renovierung ihrer Kirche.

Mit der Sanierung der Emporen wird das Stützgerüst auch sukzessiv abgebaut und die Kanthölzer und Dielen desselben für die Erneuerung der Bodenbeläge der Emporen verwendet.

Der Weg ist das Ziel und das Ziel in Hermannsacker ist letzten Endes auch ein Dachreiter auf dem Kirchendach mit einer Gebetsglocke, um dem Dorf wieder ein weithin sichtbares Zeichen für ihre Kirche zu geben.